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Kein Visum, keine App, 67 Prozent Elektro: Chinas Woche in Zahlen
Kurzantwort
Deutsche Reisepässe bleiben bis zum 31. Dezember 2026 visumfrei für 30 Tage. In der Nationalfeiertagswoche kamen 682.000 Ausländer nach China, drei Viertel davon ohne Visum. Dazu diese Woche: Bezahlen ohne chinesische App läuft inzwischen über 31 ausländische Wallets, und im September war erstmals mehr als zwei Drittel aller neu zugelassenen Pkw elektrisch.
Sechs Meldungen aus dieser Woche. Zwei davon sind Zahlen, die man kennen sollte, bevor man bucht — die übrigen zeigen, was man vor Ort inzwischen tatsächlich sieht.
1. Visumfrei bis Jahresende — und die Zahlen dazu
Die einseitige Visumfreiheit für deutsche Reisepässe gilt weiterhin für Aufenthalte bis 30 Tage. Bislang wurde sie weder verlängert noch vorzeitig beendet — sie läuft am 31. Dezember 2026 aus.
Die Zahlen dahinter sind deutlich: Von Januar bis August 2026 gab es 23,72 Millionen visumfreie Einreisen, ein Plus von 26,8 Prozent zum Vorjahr. In der Nationalfeiertagswoche Anfang Oktober kamen 682.000 Ausländer nach China, davon 505.000 ohne Visum — rund drei Viertel. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Buchungen für organisierte Tagesausflüge auf den Plattformen mehr als vervierfacht.
Was das für Reisende bedeutet: Das Ablaufdatum ist die eigentliche Information. Wer 2026 fährt, fährt ohne Visum; wer für 2027 plant, sollte im Dezember nachsehen, ob verlängert wurde. Verlängerungen wurden in den Vorjahren meist kurz vor Jahresende verkündet — nicht Monate vorher.
2. „China Haul” — bezahlen ohne chinesische App
Unter dem Schlagwort „China Haul” füllen ausländische Besucher derzeit leere Koffer mit chinesischen Produkten und filmen das Auspacken. Auf TikTok liegen die Aufrufe laut Auswertungen bei über 110 Millionen. Das Außenministerium in Peking reagierte am 16. Oktober ausdrücklich darauf.
Der praktische Hintergrund ist interessanter als der Trend: Das Bezahlen funktioniert inzwischen ohne chinesisches Konto und teils ohne chinesische App. Zwei Wege stehen offen — eine ausländische Visa- oder Mastercard direkt in Alipay oder WeChat Pay hinterlegen, oder das Wallet aus dem Heimatland nutzen: Alipay+ hat 31 ausländische Geldbörsen angebunden, darunter Kakao Pay aus Korea und Touch ‘n Go aus Malaysia. Die Transaktionen ausländischer Wallets über WeChat Pay lagen von Januar bis August 2026 um rund 81 Prozent über dem Vorjahreswert.
Dazu kommt die Rückerstattung der Mehrwertsteuer: „sofort kaufen, sofort erstattet” gilt seit April 2025 landesweit, ab einem Einkauf von 200 Yuan. In der ersten Jahreshälfte 2026 nutzten 366 Prozent mehr Reisende diese Möglichkeit als im Vorjahreszeitraum.
Was das für Reisende bedeutet: Das alte Argument, ohne chinesische Nummer und chinesisches Konto gehe in China nichts, ist überholt. Wer zwei Wochen bleibt, kommt mit der eigenen Kreditkarte im Wallet durch — Bargeld für kleine Läden bleibt trotzdem sinnvoll.
3. Die Roboter haben aufgehört zu tanzen
Vom 12. bis 16. Oktober fand in Shanghai die 26. China International Industry Fair statt. Der Roboterbereich kam auf über 400 Aussteller und 56.000 Quadratmeter. Auffällig war, was fehlte: die choreografierten Shows. Gezeigt wurden Entladen, Umschichten, Schrauben eindrehen, Bauteile zuführen — also das, was in einer Halle tatsächlich gebraucht wird.
UBTech führte zwei rollende Humanoide vor, die im Tandem greifen und tragen; AgiBot ließ eine Maschine einen Montageplatz über Stunden im Takt bedienen; Unitree stellte Humanoid und Vierbeiner nebeneinander. Das Branchenjahr 2026 wird in China inzwischen als das Jahr der Serienfertigung bezeichnet.
Was das für Reisende bedeutet: Messen dieser Art sind der einzige Ort, an dem man als Reisender echte Maschinen im Arbeitseinsatz sieht, ohne Werkvertrag — der Zugang läuft allerdings über eine Registrierung als Fachbesucher. Wer nicht zur Messezeit kommt: Der Hersteller Yobotics hat in Shanghai einen ersten dauerhaften Robotik-Store in zentraler Lage eröffnet, und in Shenzhen und Hangzhou sind die Ausstellungsflächen der Hersteller ohnehin zugänglich.
4. Die Roboter bekommen eine Softwareebene
Zwei Produktmeldungen vom 17. Oktober zeigen, wohin die Arbeit gewandert ist — vom Körper zur Steuerung. Unitree veröffentlichte UniUni, ein kostenloses Programm für Windows und macOS, mit dem sich Gruppen seiner Humanoiden H2 und G1 gemeinsam choreografieren und überwachen lassen: Zeitachse, Karte, Not-Aus für den ganzen Verbund. UBTech veröffentlichte Thinker-WM, ein Weltmodell, das Videobild, Tiefe und Bewegungsdaten in einer gemeinsamen Darstellung verarbeitet, mit einem Fachpapier auf arXiv.
Dazu passt eine Zahl aus dem September: Das UBTech-Werk in Liuzhou, Guangxi, nahm die Produktion auf, geplant sind über 10.000 Einheiten im Jahr.
Was das für Reisende bedeutet: Der sichtbare Teil — Roboter, die auf Messen und in Einkaufszentren auftreten — ist die Werbefläche. Der interessante Teil ist die Steuerungssoftware, und die sieht man nur in Vorführungen. Wer bei einem Herstellerbesuch nach einer Live-Demo fragt, sollte nach der Steuerung fragen, nicht nach der Choreografie. Liuzhou selbst liegt abseits jeder üblichen Reiseroute.
5. 67 Prozent — was inzwischen auf der Straße steht
Im September wurden in China 1,618 Millionen Pkw neu zugelassen, davon 1,084 Millionen elektrisch oder teilelektrisch — 67 Prozent, der höchste Wert bisher. BYD kam auf 246.816 Einheiten und 22,8 Prozent Anteil im Elektrosegment, Tesla China auf 64.837, Xiaomi Auto auf 40.015.
Bemerkenswert ist die Verschiebung innerhalb des Segments: Reine Elektroautos gingen um 8,5 Prozent zurück, Plug-in-Hybride um 35,7 Prozent. Der Rückgang traf die Kombination aus Verbrenner und Elektromotor also deutlich härter als das reine Elektroauto — 765.000 der 1,084 Millionen Einheiten waren batterieelektrisch. Der Gesamtmarkt schrumpfte gleichzeitig um 28 Prozent.
Was das für Reisende bedeutet: Zwei Drittel Elektro ist keine Prognose mehr, sondern das Straßenbild. In Shenzhen fährt die Busflotte elektrisch, in Hangzhou und Shanghai sind die Ladeplätze in den Parkhäusern der Innenstadt der Normalfall. Wer die Modelle sehen will, muss nicht ins Werk — die Marken haben ihre Flagship-Stores in den Einkaufszentren, und die sind ohne Termin offen.
6. XPeng stellt in Paris aus — gebaut wird in Graz
Auf dem Pariser Automobilsalon, der am 12. Oktober öffnete, hatte XPeng die Weltpremiere des G9L; in Frankreich startet er bei 74.990 Euro. Gebaut wird das Modell bei Magna in Graz, als viertes XPeng-Modell an diesem Standort. Das Unternehmen nennt inzwischen 82 Länder, in denen es verkauft.
Was das für Reisende bedeutet: Ein chinesisches Auto, das in Europa gebaut und verkauft wird, verliert den Nimbus des Exotischen — und das ist der Punkt, an dem ein Besuch in Guangzhou interessant wird: Dort sitzt die Zentrale, dort steht die Entwicklung, und dort lässt sich der Unterschied zwischen dem europäischen und dem chinesischen Modellprogramm in einem Nachmittag ansehen.
Die nächste Ausgabe erscheint in dieser Woche; der Sonntagsüberblick folgt am 25. Oktober. Wer konkrete Termine plant, kann direkt schreiben — die Antwort kommt von derselben Redaktion.
Häufige Fragen
Brauchen deutsche Staatsangehörige 2026 ein Visum für China?
Nein, für touristische Aufenthalte bis 30 Tage nicht. Die einseitige Visumfreiheit gilt für deutsche Reisepässe und läuft laut chinesischem Konsulat am 31. Dezember 2026 aus. Verlängerungen wurden in den vergangenen Jahren meist erst gegen Jahresende verkündet — wer 2027 reisen will, sollte die Regelung im Dezember prüfen.
Kann man in China bezahlen, ohne ein chinesisches Konto zu haben?
Ja. Entweder man bindet eine ausländische Visa- oder Mastercard in Alipay oder WeChat Pay, oder man nutzt das Wallet aus dem Heimatland: Alipay+ hat 31 ausländische Geldbörsen angebunden, darunter Kakao Pay und Touch 'n Go. Bargeld bleibt gesetzliches Zahlungsmittel und muss angenommen werden.
Wie viele Autos in China fahren elektrisch?
Im September 2026 waren 67 Prozent der neu zugelassenen Pkw elektrisch oder teilelektrisch — ein Rekordwert. Bei den privaten Zulassungen lag BYD mit 22,8 Prozent Marktanteil vorn, vor Geely, Leapmotor und Tesla China.
Quellen
- Nationale Einwanderungsbehörde (NIA), Einreisezahlen Januar–August 2026
- Guangming Online, 14. Oktober 2026: Einreisezahlen zur Nationalfeiertagswoche
- Chinesisches Außenministerium, Pressekonferenz vom 16. Oktober 2026
- WeChat Pay und Alipay+, Angaben zur Nutzung ausländischer Wallets 2026
- 26. China International Industry Fair, Shanghai, 12.–16. Oktober 2026
- Unitree, Ankündigung UniUni, 17. Oktober 2026
- UBTech, Thinker-WM, Fachpapier auf arXiv, Oktober 2026
- China Passenger Car Association (CPCA), Retailzahlen September 2026, veröffentlicht am 12. Oktober 2026
- XPeng, Weltpremiere G9L, Pariser Automobilsalon, 12. Oktober 2026
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